Über kleine Stolpersteine und große Projekte

Über kleine Stolpersteine und große Projekte

Ein Beitrag darüber, wie klitzekleine Dinge zu realen Stolpersteinen bei großen Projekten werden können.

Das ursprüngliche Motto unseres Marathon-Projektes lautete „In 11 Monaten zum Mallorca-Marathon“ – für mich habe ich es jetzt umformuliert zu „In 6 Wochen zum Mallorca-Marathon“.
Unser Vorstand, Laufpate und „Laufprofi“ Werner Weißenberger hatte geschrieben, daß es mehr die mentalen als körperlichen Hürden sind, die auf dem Weg zu einem Marathon im Wege stehen und zu überwinden sind.
Nichtzuletzt aus beruflicher Perspektive kann ich dies nur bestätigen, möchte hier aus eigener leidvoller Erfahrung allerdings über ein kleines Hindernis berichten, das eher weniger im mentalen beheimatet war bzw. in seinen Auswirkungen noch immer ist; aber der Reihe nach:

Anfang/Mitte Juli, das Motivationstief nach den zwei Juni-Halbmarathons in Regensburg und Dresden war überwunden, Training lief rund, die Form war in Bereiche unterwegs, wo sie zuvor wahrscheinlich noch nie gewesen war, gab es beim Arbeiten im Grundstück einen kleinen, kaum bemerkten Kratzer am Bein, passiert beim Vorbeigehen an einem Holzstück, leicht touchiert.
Dieser entpuppte sich nach anfangs keinen Problemen, dann heftigen Schmerzen, die sich aber auch rasch besserten, nach 4 Wochen (in denen ich zweimal behutsam 5-6km Laufen war!) als ein gut 2 Zentimeter langer Holzsplitter, der vorn-seitlich tief in der Wade steckte und – mittlerweile 5 Wochen nach dem Kratzer – ambulant chirurgisch entfernt wurde. Eine sechste Woche ohne Training schloß sich zwangsläufig an, aber auch danach ging es nicht so rasch aufwärts wie erhofft, der erste Laufversuch endete nach gut 2km geradezu kläglich.
Fahrradfahren kein Problem, Schwimmen kein Problem, Wandern/Gehen, auch lange Strecken kein Problem, aber Laufen defacto nicht möglich – Frustration pur!
Eine Faustregel beziffert die Dauer einer Marathonvorbereitung auf etwa ein Vierteljahr, 13 Wochen – und diese 13 Wochen setzen sich bei mir aus aktuell knapp 7 Wochen Trainingspause und noch gut 6 ausstehenden Wochen zusammen. Meine Hoffnung, auf Mallorca einen Marathon zu laufen, wird von Tag zu Tag geringer – Optimismus sieht anders aus.

Trotzdem versuche ich, ein positives Zwischenfazit des Marathon-Projektes zu ziehen: Viele Trainingskilometer, die ich sonst nie in dem Umfang und der Konsequenz absolviert hätte, und insgesamt 3 Halbmarathons stehen zu Buche, plus die Erkenntnis, daß ich auf exakt dieser Distanz (Halbmarathon) auch für die Zukunft wahrscheinlich heimisch geworden bin. Ein abgesagter Halbmarathon Ende August, ein abgesagter Crosstriathlon Mitte August sowie ein ausgesprochen wackeliger Marathon im Oktober sind die andere Seite der Medaille.

Momentan wäre ich einfach nur froh, wieder problemlos und schmerzfrei laufen zu können (Ich bin optimistisch, daß dieser Punkt in den nächsten zwei Wochen erreicht sein wird) und auf Mallorca erstmal einen seriösen Halbmarathon laufen zu können – um dann eventuell einen zweiten Halbmarathon direkt dranzuhängen.

Und so hat ein gerademal reichlich zwei Zentimeter großes und anfangs völlig unbemerktes Etwas das Projekt eines nahezu ganzen Jahres erheblich ins Wanken gebracht.